Beispiellose Solidarität der Menschen im Libanon

Kinder brauchen Bildung - auch und gerade in der Flüchtlingssituation

Wie es den syrischen Flüchtlingen im Libanon geht - und ganz besonders, ob Kinder die Möglichkeit zum Schulbesuch haben, diesen Fragen ging der SPD-Europaabgeordnete Norbert Neuser als Vorsitzender einer Delegationsreise des Europäischen Parlaments nach.

Norbert Neuser, Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion im Entwicklungsausschuss, berichtet: „Ich bin beeindruckt davon, dass der Libanon mit seinen rund 4,5 Millionen Einwohnern derzeit eineinhalb Millionen syrischer Flüchtlinge aufgenommen hat. Der Libanon geht dabei weit über seine Kapazitäten heraus. Das kleine Nachbarland Syriens leistet mehr als alle EU-Mitgliedstaaten zusammen. Deshalb ist es wichtig, die Kooperation der EU mit dem Libanon fortzusetzen und sich besonders im Bereich der Bildung zu engagieren. Es gibt aber auch Riesenprobleme im Gesundheitswesen, bei der Wasserversorgung und auch bei der Abfallentsorgung."

"Von ca. 400.000 syrischen schulpflichtigen Kindern können derzeit leider nur die Hälfte den Unterricht besuchen, und auch dies könnte effektiver sein. Der Libanon hat nicht die erforderlichen Kapazitäten um ausreichend Lehrkräfte und Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die meisten Lehrer müssen Doppelschichten schieben, sie unterrichten vormittags libanesische und nachmittags syrische Kinder, weil dann die Räumlichkeiten vorhanden sind“, so Norbert Neuser.

Gemeinsames Lernen ist nicht möglich, weil im Libanon nicht auf Arabisch, sondern üblicherweise auf Französisch oder Englisch unterrichtet wird.

"Der Zugang zu Bildung ist hier aber auch deshalb so bedeutend, weil praktisch alle in den Libanon geflüchteten Syrer schnell wieder in ihre Heimatgebiete zurück möchten. Die jungen Rückkehrer, die den Wiederaufbau leisten müssen, dürfen nicht zur 'verlorenen Generation' werden. Um diese Aufgabe zu meistern, sollten sie sogar noch intensiver und umfassender geschult werden", fordert Norbert Neuser abschließend. (09.11.2016)

Norbert Neuser beim Besuch des Unterrichts für syrische Flüchtlingskinder in der Halba Elementary School, die von der EU gefördert wird.